Wird es im Praxisalltag überhaupt bewusst, was sich hinter dem Begriff Geriatrie verbirgt? Annähernd alle Hausärzte haben täglich damit zu tun, ohne eigentlich das dafür ausgewiesene »Handwerkszeug« zu beherrschen und anwenden zu können.

Das hat viele Gründe: Die Seniorenmedizin kostet viel Zeit und die gibt es meist im Praxisablauf nicht. Der Aufwand wird nicht honoriert, es fehlt an Routine. Personal müsste ausgebildet werden, die eigenen Kenntnisse verblassen, wenn sie nicht regelmäßig angewendet oder aufgefrischt werden. Und doch: Einerseits sind immer mehr Senioren zu betreuen, und das wird sich nach allen statistischen Kalkulationen auch nicht ändern, andererseits mausert sich die Geriatrie zu einem selbstbewussten und aufstrebenden Fach, das neue Maßstäbe setzt.


W
arum soll es denn zum Beispiel bei der Behandlung der Zuckerkrankheit jüngerer Patienten strengere Qualitätsnormen geben als in der Geriatrie, die wesentlich mehr – und oft auch wesentlich »kränkere« Patienten betreut?

Warum soll der Patient in den ersten 15 Jahren seines Lebens durch speziell ausgebildete Fachärzte – Kinderärzte – kompetenter betreut werden als der ältere Patient in den letzten 15 Jahren seines Lebens?


Die Seniorenmedizin ist den Älteren nicht nur ein »Primum nil nocere«, (= zuerst einmal nicht schaden) schuldig, sondern gemäß der hippokratischen Tradition zudem alles in ihrer Macht Stehende, um wirklich zu helfen. Das geht schon bei der Medikamentenwahl oder dem Verordnen von Physiotherapien los – und sollte darüber hinaus insbesondere das menschliche Begleiten, den Umgang mit einem optimal informierten Betreuungsnetz (Angehörige, Pflegedienste, ambulante REHA-Einrichtungen, usw.) und den Blick auf die Ganzheitsmedizin beinhalten. Nur, wenn wirklich alle Symptome eines Krankheits- oder Beschwerdebildes erhoben und abgewogen werden, können Behandlungsprioritäten so gesetzt werden, dass älteren Patienten sinnvoll geholfen werden kann. Das Spektrum der ärztlichen Betreuung in dieser Lebensperiode erfordert eine andere Einstellung zur Medizin als die der üblichen medizinischen Möglichkeiten jüngerer Jahre.

DIE SENIORENMEDIZIN
IST NICHT UNBEDINGT EINE
JUNGE FACHRICHTUNG.
UNGEWÖHNLICHERWEISE
ALLERDINGS EINE SELTENE.
GANZ JUNGE PATIENTEN
GEHEN ZUM KINDERARZT.
DER KENNT SICH BESONDERS
GUT AUS.
ABER WOHIN GEHEN
DIE GANZ ALTEN PATIENTEN?
WER KENNT SICH MIT DEREN KRANK-HEITEN UND BEFINDLICHKEITEN
BESONDERS GUT AUS?
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Dr. med. Günther Schmitt - Facharzt für Innere- und Allgemeinmedizin, Seniorenmedizin, Psychotherapie - Private Kassen
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